
von Anton Fichtlmeier, Experte für Hundeverhalten
Aus meiner Sicht ein klares NEIN!
Nur wenige der im Tierheim lebenden Hunde, haben eine schwer zu lösende Macke.
In den richtigen Händen entfalten sie augenblicklich das so an ihnen geschätzte Verhalten, uns zu folgen, uns zulieben und gefällig zu sein. Der große Teil unserer Tierheimhunde sind unkomplizierte, stabile Wesen, die nur auf ein neues Heim mit verständigen "Leithunden" warten und los geht´s in ein fröhliches Leben. Es liegt in der Hand des neuen Besitzers.
Nur : "Was ist ein Leithund"?
Im Gegensatz zum Hund, der seinen Instinkten folgend klare Linien sucht, murkst der Mensch mit allerlei Macken behaftet an seinem Liebling herum. Er vergisst dabei, dass Hunde unsere Unzulänglichkeiten spiegeln. Er überträgt ungewollt seine Macken auf den Hund.
Der größte Teil unserer Tierheimhunde sind Tiere, an deren Wesen man aus Unwissenheit vorbeigehandelt hat.
Der stolze Hundebesitzer will ab dem ersten Tag nur das Beste für seinen Liebling und gibt ihm, seinen menschlichen Empfindungen folgend, alle Freiheit und Liebe um dem Hund dadurch ein möglichst schönes Leben anzubieten.
Der Hund jedoch folgt, ebenso wie der Mensch, auch nur den von seiner Sicht aus vorgegebenen Verhaltensregeln, die in vielen Teilen gar nicht denen des Menschen gleichen.
Deshalb entstehen in den Beziehungen Mensch und Hund sehr schnell soziale Unsicherheiten oder eine ungewollt ausgeprägte Dominanz.
Die daraus folgende negative Veränderung im Verhalten des Hundes kann dadurch sehr schnell außer Kontrolle geraten. Das traurige Resultat. Viele Menschen sind bereits nach den ersten Monaten ihres Hundehalterdaseins so entnervt, dass sie zu den seltsamsten Entscheidungen kommen, und letztendlich dann die einzige Lösung ihres Problems in der Trennung von ihrem Hund sehen.
Haben Sie darüber nachgedacht, dass der Hund mehr als nur ein Schmusetier darstellt, vielmehr ein echter Partner sein kann, der Sie so gerne verstehen möchte, sich aber mit Ihrer Sprache und Gestik so schwer tut?
Damit sind wir bei einem wichtigen Aspekt einer glücklichen Hund-Mensch-Beziehung, nämlich dem Wesen und Verhalten des Hundes angelangt.
Kommt ein Hund ins Haus, egal ob Welpe oder älterer Hund, der größte Fehler am Beginn dieser Freundschaft ist fast immer derselbe. Die Vermenschlichung des Hundes!
Er kommt in ein neues Rudel und wird dort als erstes seine Position in der Rangordnung suchen. Der Hund folgt seinem Dominanzverhalten! Der Mensch folgt seinem menschlichen Verhalten! Er kennt keine Rangordnung im Sinne des Hundes, er wird ihm alle Aufmerksamkeit und Fürsorglichkeit, Liebe und Freiheit anbieten. Der Hund wird das als Bestätigung seiner Dominanz verstehen. Und hier beginnen die ersten Fehlverknüpfungen.
Deshalb ist es sehr wichtig, vom ersten Tag des Zusammenseins auf ganz klare erzieherische Maßnahmen zu achten, die dem Hund seine Position in der Rangordnung zuweisen und ihm dadurch eine soziale Sicherheit im Rudel geben. Er braucht unbedingt Grenzen um sich wohl zu fühlen!
Unter erzieherischen Maßnahmen verstehe ich jedoch nicht, Dressurkunststücke wie das erlernen von Sitz, Platz usw. Sie haben auch nichts mit der oft falsch verstandenen Dominanz wie lautes Anschreien oder harte Leinenruckmethoden zu tun. Vielmehr bedeutet Erziehung ein Grenzen setzten und gleichzeitiges Aufbauen eines Vertrauensverhältnisses zwischen Mensch und Hund, egal ob unsicherer, ängstlicher oder zum Raufen neigender Typ. Das Wesen des Hundes verändert sich mit dem Wesen seines neuen Besitzers.
Meine langjährigen Erfahrungen zeigen, dass bei sachgerechter Beratung und Mitarbeit des neuen Besitzers glückliche Partnerschaften mit unseren Tierheimhunden die Norm sind.
Für den Hundefreund mit Problemen sei noch einmal deutlich gesagt: Es ist nie der Hund! Verändere Dein Verhalten und das Verhalten Deines Hundes wird sich verändern!
Individuelle Hundeschule

Birgit Halbritter
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